Strauchshof

Der Strauchshof ist mit seiner markanten Farbe, einem leuchtenden Hellrot (einem hellen Eisenoxidrot) einer der bekanntesten Bauten in Schwadorf. Deutlich dominiert er die historische Ortskante im Norden und markiert an der Grenze zwischen Dorf- und Burggelände zum einen den Abschluss des Dorfes zum Burggelände hin und verdeutlicht hierdurch zum anderen die ursprüngliche und regionaltypische Zweiteilung des Dorfes in Wohnhäuser und Verwaltungsbereich (der Burg, möglicherweise auch Vogtshof des Stiftes St. Severin, und des Weiherhofes als Fronhof des Stiftes St. Kunibert).

Tranchotkarte von 1807 mit Hervorhebung des Strauchshofs

Steht man vor dem Strauchshof, so sieht man linker Hand längs der Straße „An der Schallenburg“ den von Walberberg (und dort von der Rheindorfer Burg) kommenden Rheindorfer Bach, der die mittelalterliche Grenzmarkierung zum freiherrschaftlichen Rittersitz im Osten war. Der Strauchshof hatte anders als die Burg keinen Anspruch auf eine herrschaftliche Einfassung durch Wassergräben. Doch er gehörte zum Stift St. Severin Köln und hatte daher zeitweilig vielleicht eine herrschaftliche Funktion. Hier sollen Gerichtstage des Hofgedings stattgefunden haben. Seinen heutigen Namen erhielt der Strauchshof, zuvor Kruffthof genannt, nach dem im frühen 18. Jahrhundert urkundlich erwähnten Pächter Gerhard Struch.

Der Strauchshof heute von der Straße „An der Schallenburg“ aus gesehen.

Wie die kurfürstlichen Schlösser Augustusburg und Falkenlust und wie die Schallenburg verdankt der Strauchshof seine heutige Anlage einer Umgestaltung im 18. Jahrhundert. 1765 erwarb der Kölner Bankier J.M. Frantz den Hof und veranlasste Arbeiten, die zu dem heutigen Erscheinungsbild führten und auf den ersten Blick ganz klar das neue Formempfinden des Barocks widerspiegeln in der klar symmetrischen Anlage zweier Gutshäuser, die durch eine zentrale, stichbogige Torzufahrt und Nebenpforte verbunden sind. Beide Backsteinbauten sind mit einem Walmdach versehen, beide werden durch denselben Anstrich als Ensemble hervorgehoben. Die Wahl der auffälligen Farbgebung erfolgte auch zu dieser Zeit – möglicherweise eine Anleihe bei der damals ebenfalls neu gestalteten, nah gelegenen Kitzburg im Süden von Walberberg.

Der zweite Blick erkennt zugleich Unterschiede zwischen den beiden Bauten und kann an diesen Unterschieden die vormalige Nutzung und gesellschaftliche Zuordnung ablesen: Das rechte Haus der Dienerschaft ist etwas niedriger, das Dach gedrungener, die Fenster kleiner als bei dem Herrenhaus zur Linken. Auch über die Dachform bzw. -ausrichtung nimmt das linke Haus auf der Schauseite mehr Raum ein und wirkt so bedeutender. Der Strauchshof wurde Landsitz und führte als solcher den landwirtschaftlichen Betrieb weiter: noch auf der Zeppelinaufnahme lässt eine große Scheune im Süden den Umfang der Wirtschaft erahnen. Inzwischen ist die Scheune gefallen und die Bebauung ganz bis zu dem am Dorfrand gelegenen Strauchshof geführt worden.

Weintrauben und Kornähren – Brot und Wein sowie Blumenranken am reichgeschnitzten barocken Treppenpfosten eines der herausragenden Brühler Hofbildhauer markieren den herrschaftlichen Anspruch des linken Hauses und die ursprüngliche Verbindung des Hofes zum Stift St. Severin.

Die freie Feldflur vor dem Hof ist hingegen bis heute erhalten geblieben. Sie bedingte tatsächlich die heute eigentümlich geschwungene Form der nach Norden ausgerichteten Front der Doppelanlage des Strauchshofes: Die Felder, die sich vor dem Hof bis hin nach Brühl oder vielmehr: Schloss Augustusburg und den Schlosspark erstreckten, waren der Jagdgrund des Kurfürsten. Das Herrenhaus wurde ausgerichtet auf die zentrale Allee des Schlossparkes von Augustusburg: Hierdurch gab der Hof den Anschein, gleich den umliegenden Adelssitzen, zur Anlage von Schloss Augustusburg und der sie umkreisenden Sitze zu gehören. Die mit der Ausrichtung realisierte Sichtbeziehung ist durch den Bau der Autobahn A 553 beeinträchtigt worden und nicht mehr ebenerdig zu realisieren (die Baumkronen des Schlossparkes sind natürlich weiterhin als Bezugspunkt zu erkennen). Erhalten blieb von hier aus die Blickbeziehung auf die wichtigste Landmarke des Rheinlandes, auf den Kölner Dom. Noch heute führt vom Strauchshof aus eine direkte Wegeverbindung auf den Kölner Dom zu. Dieser früher sogenannte „Kölner Weg“ (heute Abzweig der Straße „An der Schallenburg“) entspricht der direkten historischen Straßenverbindung von Köln, an den sumpfigen Brühler Feuchtzonen vorbei bis zum Vorgebirge mit seinem alten Wallfahrtsort Walberberg und dem dortigen Hohlweg hinter der Kitzburg in Richtung Voreifel.

Der Strauchshof steht damit am ursprünglichen Eingang zum Ort und ist ein Wahrzeichen von Schwadorf, das auf die ursprüngliche regionaltypische Anlage des Dorfes selbst und seine Anbindung an die umgebende Landschaft verweist.